Start

Am 5. November 2012 habe ich zum ersten Mal das Kinderheim in Orlovka besucht, nachdem ich schon mehrere Male Kleider und Schuhe dem Heim zukommen liess, die ich mit den Transporten für das Skigebiet mitgeschickt hatte. 

Ich war beeindruckt oder besser fassungslos über die Situation im Heim. Gulnara, die Leiterin, hat mir sofort zu erklärt, dass sie das Heim aufgeben muss, da einerseits die Gebäude in einem sehr schlechten Zustand sind und anderseits sie die Betriebskosten nicht mehr aufbringen kann, da sie zu wenig Unterstützung habe. Die damaligen Einnahmen resultierten nebst wenigen Spenden einzig aus der Führung des örtlichen Kindergartens und eine Kleinbäckerei mit Brotverkauf im Dorf. 

Ich habe mich kurzfristig entschieden, mit Gulnara zusammen zu arbeiten und wir haben noch im November einen Notfallplan aufgestellt. Da das Areal gross ist (1,4 ha) mit 4 Gebäuden, die mit Verbindungstrakt miteinander verbunden sind mussten wir Prioritäten festlegen. Wir haben die Sanierung vom Trakt 2 forciert, da dort die Kinder schlafen und essen. 

Zusammen mit Vorträgen über das Skigebiet konnte ich kurzfristig auch das Kinderheim integrieren und so die ersten Mittel für das Heim sammeln. Zudem half ein Film im «Horizonte SRF» mit, auf die Situation im Kinderheim aufmerksam zu machen. 

 

Investitionen bis Ende 2017 

Dank zum Teil sehr grosszügigen Spenden konnten folgende Investitionen ab Mai 2013 bis Ende 2017 getätigt werden: 

* Installation einer Dusche mit Sauna inkl. Gebäude- und Leitungsinstallationen 

* Elektrische Installationen inkl. neue Lampen 

* Neue Fenster im Trakt 1 und 2 

* Gebäudesanierung 2. Trakt allgemein (Isolation, Dach, Abläufe usw.) 

* Kauf eines VW-Busses um Transportkosten zu sparen 

* Sanierung des 2. Traktes allgemein 

* Renovation Aussenküche 

* Möblierung Speisesaal und Aufgabenzimmer inkl. Vorhänge etc. 

* Erneuerung Kücheninventar 

* Neue WC-Anlage 

* Installation einer neuen Heizung 

* Übergabe 12 Laptops für ältere Schüler und Heim aus Spenden 

Die Gesamtkosten für diese Verbesserungen belaufen sich auf 82'000 CHF, die mit Spendengelder in gleicher Höhe gedeckt werden konnten. 

Für die notwendigen ungedeckten Betriebskosten wollte ich nicht Spendengelder einsetzen und so habe ich diese zusammen mit meiner Familie und Freunden übernommen. Auch eine Spezialfinanzierung eines sehr begabten Mädchens, das neben dem Jura-Studium noch Tanz- und Choreographie-Kurse besuchte, wurde von einer Davoser Familie übernommen.

 

Gründung Verein Kinderheim Nurmaeisa 

Um das Ganze für die Zukunft besser abzusichern und um die Spendenabzugsfähigkeit bei der Steuerverwaltung Graubünden zu erlangen, haben wir im August 2017 einen Verein gegründet. Gleichzeitig konnte Gulnara das ganze Gelände des Kinderheimes mit einer Stiftung absichern. Dies war eine Bedingung von mir um sicherzustellen, dass unsere Investitionen nicht plötzlich durch Drittansprüche gefährdet werden können. Vorbereitet wird noch ein Vertrag zwischen der Stiftung und dem Verein, dass bei einer Zweckentfremdung des Kinderheimes eingesetzten Mittel anteilmässig zurückbezahlt werden müssen. 

Dies sieht nach fehlendem Vertrauen aus aber dem ist nicht so. Ich habe zu Gulnara volles Vertrauen aber ich kenne ihr Umfeld nicht. 

Im Sinne eines verbesserten Mitteleinsatzes konnte ich nebst Lena, meiner bewährten Übersetzerin und verlängerter Arm, die seit 5 Jahren uneigennützig mithilft auch noch Nicolay, meinen Ingenieur vom Skigebiet für die Mithilfe gewinnen. Er ist jetzt freischaffend und überprüft alle Offerten und kontrolliert die Arbeiten vor Ort. Da er auch in Orlovka wohnt, kann er fast jeden Tag die Arbeiten überwachen. Nicolay ist für mich voll vertrauenswürdig und mittlerweile ein sehr lieber Freund geworden. 

 

Rückblick auf das laufende Jahr 

Dank einer sehr grosszügigen Spende einer Stiftung konnten wir die Planung der weiteren Schritte vornehmen. Zusammen mit Lena, Nicolay und Gulnara wurden seit anfangs Jahr umfangreiche Abklärungen getroffen. Anlässlich meines Besuches im April/Mai haben wir alles bereinigt. Dabei musste die Prioritätenliste wieder angepasst werden: 

* Aufgrund eines falschen Systems mussten wir die gesamte Heizanlage in allen vier Trakten ersetzen. Die bisherige Lösung war nur als Durchlauferhitzer gedacht und so konnten wir die Heizkosten, resp. den Kohlenaufwand nicht reduzieren. Mit der von Nicolay präsentierten Lösung mussten wir alle Räume mit Heizkörper ausrüsten, was schliesslich zu Gesamtkosten von über 35’000 CHF führte, aber qualitativ sehr gut ist. Noch im September konnte der Versuchsbetrieb erfolgreich abgeschlossen werden. 

* Eine weitere Sanierung betrifft das Dach im 4. Trakt, die auch erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Zusätzlich haben wir auch den Verbindungstrakt von 3. zum 4. Trakt saniert. Die offerierten Kosten von 6‘500 CHF konnten unterschritten werden trotz Mehrleistung. 

* Anstelle des VW-Busses konnte Nicolay günstig einen Mercedes Sprinter mit 17 Plätzen kaufen. Es war mir zu gefährlich, wenn Gulnara mit überfülltem VW-Bus unterwegs war. Um die Wartung sicherzustellen wird der Bus durch Nicolay überwacht. 

* Mit zweckgebundenen Spenden konnten wir vier Kühe kaufen. Mit 80 Liter Milch pro Tag werde die Kinder versorgt, Joghurt produziert und die Bäckerei beliefert. Eine 5. Kuh soll noch dazukommen. 

* Momentan sanieren wir den Innenteil im 4. Trakt, der in einem sehr schlechten Zustand ist. Wir rechnen mit Kosten von ca. 8’500 CHF. 

* Im Wohntrakt (2) werden noch dieses Jahr alle kaputten Türen ersetzt (1‘000 CHF) 

* Im Wohntrakt werden wird zudem noch der WC/Duschraum erneuert (1‘000 CHF) 

* Im Trakt 3/4 werden, wenn möglich noch dieses Jahr die Fenster ersetzt (18‘500 CHF) 

* Nebst den Investitionskosten haben wir für zwei Kinder Operationen bezahlt und alle Kinder wurden von einem Arzt kontrolliert auf unsere Kosten. Zusätzlich haben wir begonnen, alle Kinder von einem Zahnarzt überprüfen zu lassen und auch ein Augenarzt wird noch alle Kinder kontrollieren. 

Alle obgenannten Kosten sind konnten wir sind finanziert und in Auftrag gegeben

 

Ausblick 

Durch die unvorhergesehenen Kosten für die Heizungssanierung mussten diverse Offerten zurückgestellt werden, da die nötigen Mittel fehlen. Wenn wir genügend Mittel generieren für nächstes Jahr sind folgende Investitionen vorgesehen: 

* Der dringend benötigte Zaun um das ganze Gelände wird erstellt. Dies ist eine Auflage des Staates, dient aber auch zur Sicherung unseres Geländes für Kinder und Tiere 

* Mit einer zweckgebundenen Spende werden wir Betten erneuern inkl. Matratzen. 

* Nicolay wird eine Regenwasserfassung über die Dachabläufe einrichten, damit wir in den trockenen Sommermonaten genügend Wasser für unsere Gärten, Pflanzen und Kühe haben. Das Leitungswasser ist zu teuer. 

* Es laufen momentan Abklärungen mit einer staatlichen Stelle über ein Sicherheitssystem mit Feuerlöscher, Überwachung etc. was aus unserer Sicht dringend nötig ist. 

* Ein Dach für den Aussenpavillon wäre auch wünschenswert (Sommerküche und Anlässe) 

Der Sohn von Gulnara (Jurist ohne Anstellung) hilft im Kinderheim mit. Ich habe ihn in Absprache mit Gulnara beauftragt, für den 4. Trakt ein Konzept zu planen für die Beschäftigung und/oder Ausbildung unserer Kinder, die später keine Arbeit finden. Wir denken dabei an Näherei/Schneiderei, Coiffeur- und Beauty-Salon, Ausbau Bäckerei. Aber auch im landwirtschaftlichen Bereich wollen wir Lösungen suchen (Ausbau Gärtnerei, Obstbau, Viehhaltung etc.) 

Zudem werden im Trakt vier einige Zimmer vorbereitet für vereinsamte Senioren. Einer lebt schon im Kinderheim (Trakt 4), er als Notfall aufgenommen wurde. 

Mit den Rentenanteilen dieser Senioren für Kost und Logis kann das Kinderheim die Fixkosten senken. Die Betreuungskosten werden durch Dritte bezahlt. 

Im 1. Trakt planen wir ein Begegnungszentrum für Behinderte in Orlovka. Es sind ca. 40 Personen die aus verschiedenen Gründen den ganzen Tag in ihren Wohnungen alleine sind. Hier erwarten wir ebenfalls eine kleine Einnahmequelle. Die Betreuungskosten werden durch Dritte bezahlt. 

Ideen sind noch viele vorhanden und bei genügend Mittel werden wir unseren Weg weiter gehen um den Kindern vom Heim auch später eine gute Zukunft zu ermöglichen. 

 

Unsere Kinder 

Das wichtigste sind unsere Kinder. Es sind alles Einzelschicksale die diese Kinder ins Heim gebracht haben. Ich bin jedes Mal tief beeindruckt und betroffen, wenn ich wieder nach Orlovka reise und das Heim besuche. 

Momentan leben noch 31 Kinder im Heim plus zwei Mütter. Aisuluu, unser Star, ist in Jerewan mit einem Stipendium und macht den Master als Juristin. Ein Mädchen hat als Schneiderin abgeschlossen und eine Stelle in Astana in Kasachstan gefunden. 

Zwei Kinder besuchen in Bischkek eine Spezialschule und kommen nur am Wochenende wie auch die 4 sich im Studium befindlichen Kinder. 

Wie wichtig die ärztliche Betreuung ist, konnten wir bei den diversen Kontrollen feststellen. Lena hat hier die Führungsrolle übernommen und koordiniert alle nötigen Arztvisiten inkl. Zahn- und Augenarzt sowie nötige Operationen. 

Grundsätzlich ist die Entwicklung im Heim sehr erfreulich und mittlerweile hat sich ein mit den Kindern und dem Team ein angenehmes Vertrauensverhältnis entwickelt.

 

Dank 

Mein Dank gilt besonders allen Spendern für die grosszügige Unterstützung. Bedanken möchte ich mich aber auch bei Gulnara und ihrem Team für die grosse Arbeit zugunsten der Kinder. Und ein ganz spezieller Dank gilt insbesondere Lena und Nicolay, die mich hervorragend unterstützen und mit ihren Kenntnissen sehr viel beitragen, dass einerseits die Mittel richtig eingesetzt werden und die Kosten im Griff sind. 

Danken möchte ich aber auch meinen drei Vorstandsfrauen Esthi (Finanzen) Silvana (Verbindung Kirgistan) und Corina (Betreuung Homepage, Facebook, Protokoll) hier in der Schweiz, die mich ausgezeichnet unterstützen. 

Davos, Ende November 2018 

Hans-Peter Pleisch

Gulnara KiribaevaLeitung Kinderheim: Gulnara Kiribaev

Barspenden

Barspenden sind sehr willkommen und werden zu 100% für bauliche Investitionen im Kinderheim investiert.

Patenschaften

Es bestehen Möglichkeiten für Patenschaften für einzelne Kinder. Diese Patenschaft kann jährlich erneuert werden.

Hilfsgüter

Hilfsgüter/Naturalien wie Kleider, Schuhe, Stoff, Spielsachen, Schulmaterial, Laptops, usw. nehme ich gerne entgegen.